Lebensmittelallergie in Kita und Schule: der Leitfaden
Kurz gesagt: Geben Sie Kita oder Schule einen ärztlichen Anaphylaxie-Notfallplan, das Notfallset mit Adrenalin-Autoinjektor, falls verordnet, und eine klare Liste der Lebensmittel, die Ihr Kind meiden muss, mit ihren anderen Namen. Sprechen Sie vor dem Start mit Leitung, Küche und Betreuern, damit alle eine Anaphylaxie erkennen und handeln können. Prüfen Sie den Plan regelmäßig.
Wenn ein Kind mit Lebensmittelallergie in die Kita oder Schule kommt, geben Eltern ein Stück Kontrolle ab. Das ist normal und machbar, wenn alle Beteiligten wissen, worauf es ankommt. Gute Vorbereitung schützt das Kind und gibt auch Erzieherinnen, Lehrkräften und Küchenpersonal Sicherheit.
Das Gespräch vor dem Start
Vereinbaren Sie vor dem ersten Tag ein Gespräch mit der Leitung, den Bezugspersonen und, wenn möglich, mit der Küche. Klären Sie:
- Welche Allergene muss das Kind meiden? Gelten auch Spuren?
- Wie sieht eine Reaktion aus, und wie schwer waren frühere Reaktionen?
- Welche Medikamente sind wo hinterlegt?
- Wer ist im Notfall zu erreichen?
- Wie wird mit Geburtstagskuchen, Ausflügen, Backaktionen und Bastelmaterial (z. B. Salzteig, Nudeln, Eierkartons) umgegangen?
Der Anaphylaxie-Notfallplan
Bei einem Risiko für schwere Reaktionen gehört ein Anaphylaxie-Notfallplan in die Einrichtung. In Deutschland ist ein standardisierter Plan verbreitet, den Fachgesellschaften und die Arbeitsgemeinschaft Anaphylaxie Training und Edukation (AGATE) bereitstellen. Er wird von der Ärztin oder dem Arzt ausgefüllt und enthält:
- Name, Foto und Allergene des Kindes
- Anzeichen einer leichten und einer schweren Reaktion
- Schritt-für-Schritt-Anweisungen: wann Antihistaminikum, wann Adrenalin-Autoinjektor, wann Notruf 112 (Schweiz 144)
- Dosierung und Art der Notfallmedikamente laut ärztlicher Verordnung
- Notfallkontakte
Der Plan sollte gut sichtbar, aber datenschutzgerecht hinterlegt sein, etwa im Gruppenraum und beim Notfallset, und bei Ausflügen mitgenommen werden.
Das Notfallset
- Adrenalin-Autoinjektor(en) in der verordneten Stärke, mit Kopie des Notfallplans
- weitere ärztlich verordnete Notfallmedikamente
- Kontrolle des Verfallsdatums (Erinnerung im Kalender setzen)
- Lagerung bei Raumtemperatur, nicht im Auto oder an der Heizung
- immer dort, wo das Kind ist: auch beim Turnen, auf dem Spielplatz und bei Ausflügen
Für die Gabe von Medikamenten durch Personal verlangen Einrichtungen in der Regel eine schriftliche Vereinbarung mit den Eltern und eine ärztliche Bescheinigung. Fragen Sie nach, welche Formulare Ihre Kita oder Schule nutzt. Viele Allergologen und Patientenorganisationen bieten Anaphylaxie-Schulungen an, an denen auch Betreuungspersonen teilnehmen können.
Essen in der Einrichtung
Kita- und Schulküchen sowie Caterer sind Lebensmittelunternehmer und müssen nach Art. 44 LMIV über die 14 Hauptallergene informieren. Die DGE-Qualitätsstandards für die Verpflegung in Kitas und Schulen empfehlen, Sonderkostformen bei Allergien auf Basis eines ärztlichen Attests anzubieten.
Fragen Sie konkret:
- Gibt es einen Speiseplan mit Allergenkennzeichnung?
- Wie wird Kreuzkontakt vermieden (getrennte Löffel, Ausgabe zuerst)?
- Was passiert, wenn das Allergenrisiko unklar ist?
- Darf das Kind eigenes Essen mitbringen, falls nötig?
Kleine Dinge, die viel ausmachen
- Geburtstage: Eine Box mit Ersatzsüßigkeiten, die Sie selbst ausgewählt und befüllt haben, vermeidet Tränen.
- Händewaschen vor und nach dem Essen für alle Kinder reduziert Kontakt.
- Tisch und Plätze abwischen, besonders bei Nuss- oder Milchallergie.
- Vertretungskräfte informieren: Der Plan muss auch für Aushilfen auffindbar sein.
- Altersgerecht erklären: Ältere Kinder können lernen, „Nein, danke" zu sagen und Erwachsene sofort zu informieren.
Österreich und Schweiz
In Österreich und der Schweiz sind die Abläufe ähnlich: Ein ärztlich ausgefüllter Notfallplan, eine schriftliche Vereinbarung über die Medikamentengabe und eine Einweisung des Personals sind üblich. In der Schweiz bietet aha! Allergiezentrum Schweiz Informationen für Eltern und Schulen. Fragen Sie bei der Einrichtung oder dem schulärztlichen Dienst nach, welche Formulare dort verwendet werden.
Checkliste zum Ausdrucken
- Notfallplan ärztlich ausgefüllt und unterschrieben
- Notfallset vollständig und nicht abgelaufen
- Vereinbarung zur Medikamentengabe unterschrieben
- Küche und Caterer schriftlich informiert
- Vertretungen und Ausflugsbegleitungen informiert
- Termin für die Aktualisierung im nächsten Jahr eingetragen
Wenn das Kind älter wird
Ab dem Grundschulalter können Kinder schrittweise Verantwortung übernehmen: ihr Notfallset kennen, Etiketten mitlesen, beim Essen nachfragen. Jugendliche tragen den Autoinjektor oft selbst. Üben Sie die Anwendung mit einem Trainingsgerät und besprechen Sie Situationen wie Klassenfahrten oder Partys vorher.
So hilft IngrediLens
Mit IngrediLens Premium erstellen Sie eine Allergiekarte für Schule und Betreuung als PDF, mit den Allergenen Ihres Kindes, die Sie ausdrucken oder weitergeben können. Ergänzend gibt es eine Arztzusammenfassung als PDF, Familienprofile und einen Kindermodus, mit dem ältere Kinder selbst Etiketten scannen können. Die Daten bleiben auf Ihrem Gerät. Die Karte ersetzt nicht den ärztlich ausgefüllten Anaphylaxie-Notfallplan, sondern ergänzt ihn. IngrediLens ist kein Medizinprodukt und kann etwas übersehen.
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Im App Store ladenHäufige Fragen
Was ist ein Anaphylaxie-Notfallplan?
Ein ärztlich ausgefülltes Formular, das beschreibt, welche Allergie das Kind hat, woran man eine Reaktion erkennt und was in welcher Reihenfolge zu tun ist, einschließlich der Anwendung des Adrenalin-Autoinjektors.
Dürfen Erzieherinnen und Lehrkräfte den Adrenalin-Autoinjektor verabreichen?
Im Notfall ist Hilfe Pflicht für alle. Für die Gabe in der Einrichtung braucht es in der Regel eine schriftliche Vereinbarung mit den Eltern und eine ärztliche Verordnung. Eine Einweisung des Personals ist sehr hilfreich.
Muss die Kita- oder Schulküche über Allergene informieren?
Ja. Auch Gemeinschaftsverpflegung fällt unter die Informationspflicht für die 14 Hauptallergene nach Art. 44 LMIV.
Wie oft sollte der Plan aktualisiert werden?
Mindestens zu Beginn jedes Kita- oder Schuljahres und immer, wenn sich Allergie, Medikamente oder Kontaktdaten ändern. Prüfen Sie auch das Verfallsdatum des Autoinjektors.